Apothekenmuseum Weißenburg

Stiftung Kohl'sche Einhorn-Apotheke

Exponate

In Vitrinen und Arzneischränken werden dem neugierigen Besucher Herstellung und Verwendung von früher gebräuchlichen Arzneimitteln, anschaulich dargestellt und erklärt.

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Fungus chirurgorum (Wundschwamm)
Fungus chirurgorum ist ein schwärzlicher,schwammartiger Rest des Zunderschwamms. Seine medizinische Anwendung ist sehr alt. Bereits Hippokrates von Kos (um 370 v. Ch.), der als Urvater der Medizin gilt, dokumentierte seinen Einsatz zur Wundversorgung sowie seine blutstillenden und antiseptischen Eigenschaften. Früher legte man den Baumschwamm über Nacht in Männerurin ein, kochte ihn aus, klopfte ihn flach und trocknete ihn anschließend. Bis ins 19. Jahrhundert wurde er unter der Bezeichnung Fungus chirurgorum (Wundschwamm) in Apotheken als Tamponade in der Zahnheilkunde, in der Gynäkologie und zur Behandlung äußerlicher Entzündungen sowie Hämorrhoiden verkauft.

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Canthariden (Spanische Fliegen)
Canthariden wurden in verschiedenen Arzneiformen wie Pulver, Tinktur oder Pflaster angewendet. Oral eingenommen können allerdings drei Käfer durch ihr Reizgift tödlich wirken. Beim Einsatz als Potenzmittel in Pulverform konnte es zu Nierenversagen kommen. Das risikoärmere Cantharidenpflaster war eine über die Haut verabreichte Arzneiform und wurde bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt.

 

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Lacca musica (Lackmus)
Lacca musica geht auf die Herstellung von Lackmus zurück, das aus einem Brei von Flechten und Wasser gewonnen wird. Die Herstellung wurde lange Zeit geheim gehalten. Heute weiß man, dass die gemahlenen Lackmusflechten mit Kalk, Pottasche und Ammoniak der Gärung überlassen werden. Der Wasserauszug wird getrocknet, zu blauen Würfeln gepresst und teilweise mit Gips und Kreide versetzt. Die Flechten enthalten große Mengen Orcein-Farbstoffe und etwa 5% bis 8 % Lackmus-Farbstoffe.

Mit dem Lackmusfarbstoff wurden schon im 14. Jahrhundert Weine, Liköre, Lebensmittel, Schminke und Mundwässer gefärbt. Der Lackmus- und Orcein-Farbstoff gehört zu den ältesten Textilnaturfarbstoffen. Schon Theophrastus (371 -287 v. Ch.) schreibt in seiner "Geschichte der Pflanzen": "In Kreta wächst auf den in der Nähe des Ufers befindlichen Felsen in größter Menge die "Alge", mit der man nicht nur Bänder, sondern auch Wolle und Kleiderstoffe färbt. Solange die Farblösung frisch ist, ist ihre Färbung viel schöner als die des Purpurs."

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Landesstelle für die nichtstaatlichen Mussen in Bayern
Bayerische Sparkassenstiftung